Seveso III Richtlinie

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Lagern oder behandeln Sie gefährliche Abfälle in relevantem Ausmaß, können Sie von der Seveso III-Richtlinie betroffen sein. Für Abfallbehandlungsanlagen ist der Anhang I, Teil 1 der Seveso-Rl mit 21 Gefahrenkategorien von Stoffen maßgebend. Werden darin genannte Mengenschwellen in ihrem Betrieb überschritten, fallen Sie in den Geltungsbereich der Seveso-Rl.

Die Zuordnung von gefährlichen Abfällen in diese Gefahrenkategorien ist aber nicht direkt möglich. Die Gefährlichkeitskriterien in der Seveso-Rl sind in der CLP-Verordnung festgelegt (akut toxisch, entzündbar, gewässergefährdend usw.). Für Abfälle existiert der durch die EU-Verordnung Nr. 1357/2014 festgelegte Katalog an „gefahrenrelevanten“ Eigenschaften (HP 1 bis HP 15). Die gefahrenrelevanten Eigenschaften der Abfälle unterscheiden sich aber von den CLP-Gefahrenklassen, sind demgemäß für die Seveso-Einstufung nicht heranzuziehen. Als Hilfestellung wurde vom Umweltministerium ein Praxisbehelf erarbeitet, in dem eine Zuordnung von gefährlichen Abfällen zu den Seveso-Kategorien vorgenommen wird.

Die in der Abfallverzeichnisverordnung derzeit festgelegten Abfallarten sind teilweise so allgemein definiert, dass die Gefährdungspotentiale eines konkreten Abfalls aus der Schlüsselnummer und Abfallbezeichnung alleine nicht abgeleitet werden können. Um nicht in das Seveso-Regime zu fallen, hat der Betreiber einer Abfallbehandlungsanlage aber die Möglichkeit den Anlagenkonsens entsprechend einzuschränken. D.h. es könnten die genehmigten Abfallmengen reduziert oder die Eigenschaften der genehmigten Abfallarten so präzisiert werden, dass sie keine Seveso-Gefahrenkategorie aufweisen.

Für einen Betrieb gilt es daher zu prüfen

  • Welche Mengen an seveso-relevanten Abfallarten dürfen gelagert oder behandelt werden ?
  • Weisen die konkreten Abfälle jene Eigenschaften auf, die eine Einstufung in eine Gefahrenkategorie nach der CLP-Verordnung begründen ?
  • Werden – unter Berücksichtigung einer Additionsregel – die Mengenschwellen überschritten ?

Ist ihr Betrieb betroffen, muss ein Sicherheitskonzept erstellt werden. Es ist eine Auswirkungsbetrachtung für mögliche Störfälle mit Darstellung der von einem Störfall betroffenen Bereiche auszuarbeiten. Das ist die Basis für die Festlegung eines angemessenen Sicherheitsabstandes zu angrenzenden Nutzungen. Je nach den Mengen in einem Betrieb wird dieser Abstand zwischen 100 und 1.000 m liegen. Der angemessene Sicherheitsabstand ist von der Raumordnungsbehörde jeweils im Einzelfall festzulegen und im Flächenwidmungsplan auszuweisen. Innerhalb dieses Abstands soll sich keine Wohnbebauung befinden und keine Umwidmungen vorgenommen werden.

Die IUT hat im letzten Jahr mehrere Betriebe bei dieser Überprüfung unterstützt. Für eine Betriebsanlage konnte der Konsens ohne wesentliche Einschränkung des tatsächlichen Betriebs soweit abgeändert werden, dass die Seveso-Mengenschwellen nicht überschritten werden.

Für Fragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne unter 0664/4133277 zur Verfügung.

Dipl. Ing. Karl Harather


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