Fürchtet euch nicht!

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Größere Abfallbehandlungsanlagen, die dem Anhang 5 des AWG 2002 entsprechen, sogenannte IPPC-Behandlungsanlagen, müssen nach den besten verfügbaren Techniken errichtet und betrieben werden. Als Maßstab dafür dienen die europäischen BREF- Merkblätter (Best Available Technique Reference Documents), die derzeit überarbeitet werden. Viele österreichische Anlagenbetreiber sind besorgt und befürchten erhöhte Standards und zusätzliche Belastungen. Nach allem was bisher bekannt ist, besteht kein Grund dafür, man braucht sich nicht zu fürchten.

Mit Jahresende 2014 wurde die Erhebung von Daten über die Behandlungsanlagen seitens des europäischen IPPC Büros in Sevilla abgeschlossen. Derzeit wird aufbauend auf der Auswertung der erhobenen Daten sowie auf den Beiträgen (technische Dokumente, Studien, nationaler gesetzlicher Vorgaben, etc.) der technischen Arbeitsgruppe, in der auch Vertreter Österreichs mitarbeiten, der erste Entwurf des BREF Abfallbehandlung durch das IPPC Büro erstellt. Erwartet wird der erste Entwurf im dritten Quartal 2015. Das BREF Abfallbehandlung wird die mechanische, biologische und chemisch-physikalische Behandlung umfassen. Die thermische Abfallbehandlung wird in einem eigenen BREF Merkblatt geregelt.

Soweit erste Ergebnisse aus den Unterarbeitsgruppen für die mechanischen und biologischen Verfahren durchsickern, ist mit keiner Verschärfung der derzeit in Österreich angewendeten Standards für die Behandlung von gemischten Siedlungsabfällen zu rechnen. So werden für die Überwachung der Abluftemissionen bei MBA´s die Parameter Staub, Geruch und Ammoniak diskutiert, nicht jedoch organische Stoffe, wie sie in der immer noch gültigen österreichischen Richtlinie für die mechanisch-biologische Behandlung von Abfällen des Umweltministeriums aus 2002 als zu überwachender Grenzwert enthalten sind. Ein anderes Ergebnis wäre auch nicht nachvollziehbar. Österreichische Anlagen entsprechen einem hohen Umweltschutzniveau im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Ländern und die zukünftigen BREF Vorgaben sind ja innerhalb der gesamten EU anzuwenden.

Einziger Wermutstropfen aus österreichischer Sicht stellt die Diskussion über die Behandlung von biogenen Abfällen in Kompostanlagen dar. Gemäß Stand der Technik der Kompostierung des österreichischen Umweltministeriums aus 2005 ist unter bestimmten Voraussetzungen eine offene Rotteführung möglich. Alle anderen europäischen Länder vertreten die Position, dass in IPPC-Kompostanlagen (> 75 t/d) die erste Rottephase jedenfalls in geschlossenen oder umhausten Systemen stattzufinden hat. Eine Position, die aus meiner fachlichen Sicht nicht haltbar ist.

Dipl. Ing. Karl Harather


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